Vor 10 Jahren, am 4. Juli 2011 ist Otto von Habsburg in Pöcking gestorben.

Ansprache von Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó aus Anlass des 10. Todestages von Otto von Habsburg, Pöcking, 2. Juli 2021

 

Sehr geehrter Herr Hochmeister Bayard, sehr verehrte Geistlichkeit,

Königliche Hoheit,

Kaiserliche Hoheit, liebe Mitglieder der Familie Habsburg,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Schnitzler,

sehr geehrter Herr Landrat Frey,

verehrter Herr Abgeordneter Dorow,

verehrte Frau Mag. Demmerle,

heute gedenken wir des 10. Todestages von Otto von Habsburg, ältesten Sohnes des letzten ungarischen Königs und österreichischen Kaisers. Er überspannte mit seinem langen Leben ein ganzes Jahrhundert, und zwar nicht ein irgendwelches, sondern das zwanzigste, das die meisten bestehenden staatlichen und zwischenstaatlichen Strukturen auf dem alten Kontinent abbaute und neue zustande brachte, die sich wiederum auflösten bis es zur aktuellen europäischen Ordnung kam. Die kaiserliche und königliche Familie Habsburg war ein Opfer dieser Entwicklung. Auch Otto verbrachte seine Kindheit im Exil, wurde aber bewusst als Thronfolger erzogen. Obwohl die Hoffnungen auf eine Rückkehr der Familie Habsburg an die Spitze Österreichs oder Ungarns sich zwar nicht bewährten, war Otto von Habsburg immer dessen bewusst, dass der Name Habsburg unter allen Umständen eine politische Aufgabe bedeutete. So wurde er als Präsident der Paneuropa Union oder als Mitglied des Europäischen Parlaments ein bedeutender politischer Denker, der auch ohne tatsächliche Machtposition einen echten Staatsmann verkörpern konnte. Er war ein großer Verfechter der europäischen Idee, denn er war davon überzeugt, dass Europa nicht durch den Einfluss der großen Reiche, sondern durch die gleichrangige Mitwirkung der kleineren und größeren Nationen langfristig funktionsfähig sein kann.

Es ist symbolisch, dass die irdischen Überreste von Otto von Habsburg in der Wiener Kapuzinergruft, während seine Herzurne in Pannonhalma in Ungarn, in der Unterkirche der Basilika der Abtei zur Ruhe gelegt wurde. Ja, sein Herz schlug für Ungarn, er sprach ein wunderbar gewähltes Ungarisch, und setzte sich ständig für Ungarns europäische Integration ein. Doch er konnte unser Land erst 1987 nach sieben Jahrzehnten wieder betreten. Am 19. August 1989 war er Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks in Sopronpuszta, das für die DDR-Bürgerflucht nach Österreich bekannt wurde. Nach der Wende wurde seine ungarische Staatsbürgerschaft wiederhergestellt und wurde eine angesehene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in Ungarn: er war als Regierungsberater, Redner und Publizist tätig.

Ungarn schätzt die Mitglieder der Familie Habsburg, deren Herz für Ungarn schlägt weiterhin. Ein Zeichen dafür ist, dass derzeit zwei Habsburger als Botschafter in der ungarischen Diplomatie arbeiten. Die Regierung von Ungarn pflegt das geistige Erbe von Otto von Habsburg bewusst, indem sie 2016 die gemeinnützige Otto-von-Habsburg-Stiftung zum Leben rief.   

Otto von Habsburg war ein Verfechter der auf die Vielfalt der Nationen und die christliche Zivilisation aufzubauende Europaidee. Er sagte: „Je weiter wir die Grenzen der Freiheit nach Osten verschieben, desto sicherer wird die Mitte.“

Lasst uns dieser Idee treu sein!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!