2019 jährt sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 30. Mal. In Kooperation mit der Ungarischen Akademie der Künste in Budapest zeigt das Museum Moderner Kunst – Wörlen Passau daher nun die Ausstellung "Verstrichene Zeit – Elfolyó id". 23 ungarische Künstler interpretieren ihre Sicht auf das Ende des Sozialismus. Am Freitagabend war Vernissage. Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, sowie Zoltán Balog, ungarischer Minister a.D., Sonderbotschafter des Ministerpräsidenten und Beauftragter des Ministerpräsidenten für gesellschaftliche Angelegenheiten, hielten unter anderem die Festreden.

MMK-Direktorin Dr. Marion Bornscheuer begrüßte und wies auf die Verbundenheit Passaus zu Ungarn hin – nicht nur durch die Flusskreuzfahrt. "Das Ziel muss sein, weiter zusammenzuwachsen", bekräftigte sie und bedankte sich für das Engagement der ausstellenden Akademie der Künste aus Budapest. Gábor Tordai-Lejkó, Generalkonsul von Ungarn in Bayern, schloss sich dem an und betonte die Bedeutung Passaus für Ungarn – auch weil hier das Grab der für das Land so wichtigen Seligen Gisela sei.

 

Die Grenzöffnung in Ungarn leitete 1989 das Ende des sozialistischen Regierungssystems in Europa ein. Minister Sibler erinnerte sich in seiner Rede an seine persönlichen Erfahrungen in dieser Zeit zurück. Auch wenn es eine "anstrengende Woche für die bayerisch-ungarischen Beziehungen" gewesen sei (siehe Bericht S.19), zeigte er sich dankbar für das Engagement der Künstler und den Mut der Ungarn, den Eisernen Vorhang vor 30 Jahren zu durchschneiden. "Kunst ist eine wunderbare Brücke", so der bayerische Minister.

Der ungarische Minister a.D. Zoltán Balog, betonte, wie wichtig es sei, Erfahrungen aus alten Zeiten weiterzugeben. "Kunst vermittelt Gefühle und Erkenntnis", sagte er und stellte heraus, dass Ungarn sehr wohl im Grundsatz für Europa sei, auch wenn das Land sich immer häufiger kritisch gegen europäische Institutionen äußere. "Europa hat die Chance ergriffen, gemeinsam in Freiheit und Frieden zu leben", sagte Bürgermeister Urban Mangold. "Vor 30 Jahre durften wir die Luft der Freiheit schnuppern", erinnerte schließlich auch Kurator Péter Stefanovits. In der Ausstellung werde versucht, diesen Zeitgeist aufzugreifen – mit Motiven, die von Trabanten und durchlöcherten Flaggen über Steine bis hin zu niedergetrampelten Maschendraht reichen. Dann eröffnete Dr. Tamás Gergely Kucsera, Generalsekretär der Ungarischen Akademie der Künste, die Ausstellung.

Viele Gäste aus Ungarn und aus dem deutsch-ungarischen Freundeskreis Passau-Veszprém waren zur Vernissage gekommen, aber auch lokale Ehrengäste aus der Politik wie MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler und MdB Christian Flisek oder Unipräsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth. Mihály Dresch begeisterte mit Saxophon und Flöte. Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. September.