Ungarn zeigt ein Beispiel den anderen 26 Mitgliedstaaten bei der Förderung der nationalen Minderheiten. Als dessen Ergebnis bedienen sich die in Ungarn lebenden autochtonen Minderheiten – unter ihnen auch die Ungarndeutschen – außenordentlicher Möglichkeiten im Bereich der Bewahrung ihrer nationalen Identität, Kultur und Sprache – sagte Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten an der Gedenkveranstaltung für die vertriebenen Ungarndeutschen am 22. Januar 2019 aus Anlass des Gedenktages an die Vertreibung der Ungarndeutschen, die schon traditionell unter Mitwirkung des Generalkonsulats von Ungarn in Bayern und des Hauses des Deutschen Ostens (HDO) stattfand.

Herr Fabritius überbrachte auch den Gruß der deutschen Bundesregierung, und dankte der ungarischen Regierung für die herausragende Förderung des Ungarndeutschtums, die in erster Linie der ungarndeutschen Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet

Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó hob in seiner Begrüßung hervor: er hält für symbolisch, dass die Gedenkveranstaltung gerade am Tag der Ungarischen Kultur stattfindet. In den vergangenen 300 Jahren trugen nämlich die Ungarndeutschen bedeutend zur Bereicherung der ungarischen Kultur bei.  Er betonte zugleich: die großzügige Minderheitenpolitik Ungarns dient als glaubwürdige Grundlage für das Engagement Ungarns zugunsten der ungarischen Minderheiten außerhalb Ungarns.  „Für uns bedeuten die Vielfalt der Nationen und ihr friedlichen Nebeneinanderleben Europa.“ – sagte er.

Sylvia Stierstorfer, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene richtete die Grüße des bayerischen Ministerpräsidenten Herrn Dr. Markus Söder aus. Sie dankte Ungarn für sein mutiges Verhalten bei der Geschichtsbewältigung und sein beispielhaftes Nationalitätenrecht. Sie betrachte die ungarndeutsche Minderheit als Brückenbauer zwischen den zwei Nationen, die die gemeinsamen Werte und die mehrere Jahrhunderten lange Freundschaft schon verbinden.  Deutschland und Bayern werden Ungarn die Aufnahme der DDR-Flüchtlinge und den Grenzöffnung nie vergessen, mit denen der mit der Wiedervereinigung vollendete Vorgang angebahnt wurde.   

Emmerich Ritter, der Abgeordnete der Ungarndeutschen im ungarischen Parlament betonte in seinem Vortrag: die Hauptaufgabe der Politiker der nationalen Minderheiten sei die Bemühung um die Zukunftsgeneration, die Weitergabe der Muttersprache, die Bewahrung der ungarndeutschen Kultur und Identität.  In diesem Zeichen gelingt es immer mehr Entwicklungsprogramme zugunsten den Bildungseinrichtungen in der Trägerschaft der ungarndeutschen Selbstverwaltungen einzuführen, wo derzeit 15.000 Schüler lernen und 3000 ungarndeutsche Pädagogen unterrichten.  Dazu bekommen sie die durchgehend zunehmende Förderung von der ungarischen Regierung und vom Parlament. Herr Ritter dankte und hob hervor, dass die Angelegenheiten der nationalen Minderheiten eine gemeinsame, überparteiliche Zustimmung genießen. 

Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens sieht die Reihe der Gedenkveranstaltungen, die in Kooperation mit dem Generalkonsulat von Ungarn seit 2014 stattfinden, als eine Erfolgsgeschichte an, und möchte sie gerne weiterführen.  Er drückte seine Freude aus, dass Ungarn heute den Ungarndeutschtum auf seinem Gebiet als Ressourcen betrachtet, und die Bewahrung seiner Kultur, Sprache und Identität großzügig fördert.   Das HDO nehme in Bayern eine wichtige Brückenfunktion zu den Staaten im östlichen und südöstlichen Mitteleuropa ein. In diesem Sinne bereitet es schon zum zweiten Mal unter Mitwirkung der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen eine Studienreise für Geschichtslehrer nach Ungarn, damit sie die Geschichte Ungarns und darunter die des Ungarndeutschtums tiefer kennenlernen und die erworbenen Kenntnisse als Multiplikatoren weitergeben.

Am Festakt traten ungarndeutsche Schüler aus Werischwar mit Mundartdarbietungen auf.