Historische Soiréen am Generalkonsulat von Ungarn in Bayern

Die Geschichte der Deutschen in Ungarn - von der Ansiedlung bis zur Gegenwart

30. November 2021

Bauer, Burger, Glatz, Hild, Knab, Lang, Madl, Marx, Sax, Schneider, Thürmer, Wagner: Sie sind einzelne Beispiele von den mehreren Hunderten von deutschen Familiennamen, die in Ungarn geläufig sind. Sie sind Zeugen deutscher Wurzeln vieler Ungarn. Derzeit bekennen sich etwa 185.000 Personen zum Ungarndeutschtum, rund 2 Prozent der Bevölkerung. Um 1840 gehörte dagegen 10,25 Prozent der Ungarn zur deutschen Nationalität, und um 1780 war sogar 65-70 Prozent der Bewohner im Großraum Ofen-Altofen-Pesth und Umgebung deutscher Abstammung.

Deutsche leben seit mehr als Tausend Jahren im Karpatenbecken. Infolge der Gründung der Ostmark durch Karl den Großen gründen Franken und Bayern bereits im 9. Jahrhundert ihre Siedlungen dort. Die Könige des Arpadenhauses lassen durchgehend deutsche Siedler im Land nieder. Im späten Mittelalter gibt es viele Deutsche unter den Stadtbewohnern. Zu der großen Ansiedlung (etwa 110 – 150.000 Personen) kommt es aber erst nach der Türkenherrschaft, da in das verwüstete Land deutsche Siedler gerufen werden. Dies geschieht teils aufgrund staatlicher Anordnung und Finanzierung, teils durch grundherrschaftliche Ansiedlungsaktionen. Im Freiheitskampf gegen die Habsburger 1848/49 stehen die Ungarndeutschen auf der Seite der Ungarn. Nach dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn, im Jahre 1868 wird das Natonalitätengesetz verabschiedet, das den muttersprachlichen Unterricht ermöglicht. Anfang des 20. Jahrhunderts wird die politische Vertretung der Ungarndeutschen immer stärker. 1920 bleiben nur 550.00 von den 1,9 Mio Deutschen im Trianon-Ungarn übrig. Zwischen den zwei Weltkriegen greift Deutschland immer stärker zugunsten der Ungarndeutschen ein, während des Zweiten Weltkrieges wird dieser Einfluss extrem stark. Am Ende des Zweiten Weltkrieges werden etwa 32.000 Ungarndeutsche zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Infolge der Vertreibung der Ungarndeutschen ab 1946 werden etwa 185.000 Personen nach Deutschland verschleppt. Während der Jahre des Sozialismus schreitet die Assimilation der Ungarndeutschen fort. Nach der Wende wird das Nationalitätengesetz (1993) verabschiedet, das den autochthonen Nationalitäten eine breite Ausweitung ihrer Rechte zusichert. Derzeit erlebt die Pflege der Kultur der deutschen Nationalität ihre Renaissance. Ein deutschsprachiger Bildungsweg ist vom Kindergarten bis zur Universität gesichert. In den 3200 ungarischen Städten und Gemeinden gibt es 400 deutsche Selbstverwaltungen, die Träger von kulturellen und Bildungseinrichtungen sind. Das Deutschtum verfügt über einen eigenen Abgeordneten in der Nationalversammlung sowie deutschsprachiges Theater und Medien.

Von Jugendlichen aus Fünfkirchen erstellter Podcast für alle, die sich für die deutsche Kultur, Sprache interessieren.

Unsere Referenten

Dr. Dezső B. Szabó (*09.02.1969 in Budapest) ist Historiker, Germanist, seit 2017 Institutsleiter des Liszt-Institut – Ungarisches Kulturzentrum Stuttgart. Szabó studierte Geschichte und Germanistik an der Universität ELTE in Budapest, er wurde 2005 promoviert.  Seit 1994 ist er durchgehend Dozent am Germanistischen Institut der Universität ELTE, seit 1998 bekleidet er verschiedene Ämter in der öffentlichen Verwaltung. Seit 2014 ist er Regierungsbeamter des Ministeriums für Auswärtiges und Außenhandel.

Prof. Dr. Andreas Otto Weber (*1965.12.18 in München) ist Historiker, seit 2013 Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München. Weber studierte Neuere Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Geographie an der LMU und TU München. 1997 wurde er promoviert. 1997-99 war er Mitarbeiter der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 2000-12 wiss. Assistent und Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo er 2008 habilitiert wurde. Seit 2015 ist er außerplanmäßiger Professor an der FAU Erlangen-Nürnberg. 2018 wurde er mit dem Goldenen Verdienstkreuz von Ungarn ausgezeichnet.