Des 30. Jahrestages der Grenzöffnung wurde in der Feierstunde – veranstaltet vom Generalkonsulat von Ungarn in Bayern und vom Malteser Hilfsdienst – am 12. September 2019 in der Allerheiligen-Hofkirche gedacht. Der Festakt stand unter der Schirmherrschaft von Herrn János Áder, Staatspräsidenten von Ungarn.

Die im Rahmen des Gedenkjahres „30 Jahre Freiheit” organisierte Feierstunde begann mit einem Kurzfilm, der die historischen Ereignisse von 1989 belebte.  

Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó hebte in seinem Grußwort, die bedeutende Rolle des Malteser Hilfsdienstes bei der Versorgung der ostdeutschen Flüchtlinge hervor. Er zitierte Helmut Kohl, laut dessen Ungarn damals den ersten Stein aus der Mauer geschlagen hatte, und Deutschland das ihm nie vergessen wird. Zugleich zitierte er die Worte von Hans-Dietrich Genscher, damaligen westdeutschen Außenminister, der meinte, dass dieser Stein eigentlich in Zugliget geschlagen worden war. Damals konnte niemand sicher sein, was die Grenzöffnung und die Flucht der Ostdeutschen in dem von den Sowjettruppen besetzten Ungarn auf die Dauer mit sich bringen wird. Man konnte aber hoffen, dass Ungarns Beitrag zur Deutschen Einheit auch unsere Heimat der Freiheit näher rückt lässt, wodurch Ungarn einmal Mitglied des euroatlantischen Systems werden kann. Er zitierte die Worte von Ministerpräsident Viktor Orbán, laut deren Europa immer wieder, von Diskussion zu Diskussion, erneut vereinigt werden muss.   

Die Gedenkfeier wurde vom bayerischen Ministerpräsidenten durch eine Videobotschaft begrüßt. Er nannte die Grenzöffnung durch Ungarn den Vorboten des Falls der Berliner Mauer. Zugleich dankte er Ungarn, dass es den Grundstein des freien Europas legte, wo „Ost und West in Einheit lebt”.

Festgast der Feierstunde war Frau Anita Herczegh, Gattin des Staatspräsidenten Ungarns, Goodwill-Botschafterin des Ungarischen Malteser Hilfsdientes. Sie bewertete die die Ostdeutschen unterstützende Tätigkeit des damals gegründeten Hilfsdientes als den Sieg der Nächstenliebe über die Grausamkeit der Diktatur, das schließlich das System brach. 1956 hatten unsere aus Ungarn geflüchteten Landsleute Brot und Obdach in Deutschland bekommen, so konnten die Ostdeutschen 1989 auf eine ähnliche Hilfe in Ungarn rechnen.  

Die bayerische Regierung wurde durch Herrn Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe vertreten. Er dankte in seiner Rede für die tapfere Tat Ungarns zu einer Zeit, als auf dem Gebiet des Landes die Sowjetarmee stationierte. Er nannte München die heimliche Hauptstadt Osteuropas, nicht nur weil das Radio Freies Europa von da aus seine Sendung ausstrahlte, sondern auch weil zahlreiche aus Ost-Mittel-Europa geflüchtete Bürger dort lebten.

Pater Imre Kozma, Präsident des Ungarischen Malteser Caritas-Dienstes machte die Vorgeschichte der historischen Ereignisse bekannt, die mit der Gründung des Ungarischen Malteser Caritas-Dienstes im Jahre 1987 auf Initiative von Freifrau Csilla von Boeselager begann. Dann fing die Wohlfahrtstätigkeit der Organisation an.  1989 hielten sich mehrere Tausende von ostdeutschen „Touristen” in Ungarn auf, die nicht in die DDR wiederkehren wollten. Die Außenvertretungen der BRD und DDR baten Pater Kozma um Hilfe für ihre Versorgung. Der 14. August 1989 war „Der Tag der Aufnahme”. Von da an versorgte die Pfarrkirchengemeinde in Zugliget insgesamt 48.600 Ostdeutsche. Am Eingang des Kirchengartens stand die Schrift „Das Tor steht offen, mehr noch das Herz.” Viele Flüchtlinge erlebten die im Lager in Zugliget verbrachte Zeit als seelische Erneuerung oder Wiedergeburt. Zahlreiche unter ihnen erfuhren zum ersten Mal, was Güte und Akzeptanz bedeutet.  Sie reagierten mit jubelnder Freude auf die Ankündigung des damaligen Außenministers über die Öffnung der ungarischen Grenze zu Österreich am 10. September. Die Ungarn sind mit Recht stolz darauf, dass sie der Aufhebung Europas Spaltung beitrugen. Wie die Politiker später formulierten: 1989 war das Jahr des Wunders.

Dr. Constantin von Brandenstein, Ehrenpräsident und Bundesauslandsbeauftragter des Malteser Hilfsdienstes sagte, dass der Kommunismus Osteuropa in ein großes Gefängnis verwandelte. Er brachte seine Freude zum Ausdruck, dass infolge der ehrenvollen Tat Ungarns das Tor dieses Gefängnissess sich öffnete.  Er zeigte sich mit der Anteilnahme des Malteser Hilfsdienstes in diesem Prozess zufrieden. Zugleich würdigte er seine zwei ikonischen Persönlichkeiten, die verstorbene Freifrau Csilla von Boeselager und Pater Imre Kozma. Die deutschen Malteser lieferten 1989 eine Spende in Höhe von 7 Millionen deutsche Mark für die Unterstützung der ostdeutschen Flüchtlinge nach Budapest. Derzeit hat der Ungarische Malteser Caritas-Dienst 40.000 Helfer: so verfügt Ungarn über die größte „Malteserdichte” der Welt. 

Das offizielle Programm – wobei das Jewish Chamber Orchestra Munich, ein Ensemble mit ungarischen Wurzeln auftrat – wurde durch einen Segen von Wolfgang Hagl, Abt von Metten abgerundet. Am anschließenden Empfang nahmen die prominenten Vertreter der bayerischen Politik, Wirtschaft und Kultur bzw. der in Bayern lebenden Ungarn mit 250 Personen teil.