Aus Anlass des Gedenktages der Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen wurde am 19. Januar 2020 schon zum vierten Mal eine Feierstunde in Zusammenarbeit des Generalkonsulats von Ungarn in Bayern und des Hauses des Deutschen Ostens veranstaltet. Festgast des Abends war von bayerischer Seite Staatssekretärin Claudia Trautner, Nachfolgerin der Anfang Februar ins Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr wechselnden Kerstin Schreyer, Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales.  Die ungarische Festrednerin war Ibolya Hock-Englender, die vor kurzem zur Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gewählt wurde. Auch Prof. Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, zugleich Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV) wohnte der Gedenkveranstaltung bei und hielt eine Rede. Das Schwerpunktthema der Veranstaltung war dieses Jahr der Beitrag der ungarndeutschen Künstler und Wissenschaftler zur ungarischen hohen Kultur, über das der Historiker Viktor Pócsi einen Vortrag hielt. Das Programm wurde musikalisch durch den Pianisten Dr. Péter Morva und die Sängerin Cecília Geréd umrahmt. Unter den hundert Gästen der in der Campuskirche der Katholischen Stiftungshochschule abgehaltenen Feierstunde   nahm auch Josef Zellmeier, Mitglied des Landtages, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Vertriebene, Aussiedler und Partnerschaftsbeziehungen der CSU-Fraktion, Christian Knauer, Vorsitzender der Landesgruppe Bayern des BdV beziehungsweise Georg Hodolitsch, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn sowie  Vertreter zahlreicher weiterer politischen und gesellschaftlichen und Vertriebenenorganisationen. Über das Programm berichtete das ungarische Fernsehen (MTVA). Die deutsche Presse der vertriebenen wurde von der Sudetendeutschen Zeitung und von Unserer Post, des Heimatblattes der Deutschen aus Ungarn vertreten.

Generalkonsul Gábor Tordai-Lejkó betonte in seinem Grußwort, dass der falsch verstandene „Friedensprozess“ nach dem zweiten Weltkrieg die kollektive Stigmatisierung und Verschleppung der Deutschen in Polen, in der Tschechoslowakei und in Ungarn mit sich brachte, die zwischen dem Januar 1946 und Juni 1948 mehr Hunderttausende von Ungarndeutschen betraf, von denen 130-150 Tausende in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands eine neue Heimat fand.   Seit 1993 verfügt eine der größten nationalen Minderheit Ungarns über eigenes Selbstverwaltungsrecht. Sie genießt die Förderung ihres kulturellen und Bildungssystems durch den ungarischen Staat, und seit 2018 kann sie auch eigene Abgeordnete ins Parlament schicken. Ungarn ist stolz darauf, dass viele seiner kulturellen Denkmäler ungarndeutschen Wissenschaftlern und Künstlern zu danken sind.

Bernd Fabritius (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, zugleich Vorsitzender des BdV überbrachte die Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesminister Horst Seehofer. In seiner Rede betonte er mehrmals den Dank der Bundesregierung für die positive und beispielhafte Minderheitenpolitik Ungarns.

Claudia Trautner (CSU) designierte Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales von Bayern wies darauf hin, dass 2012 Ungarn die erste Regierung in der EU war, die sich für die deutsche Minderheit starkmachte. Sie bezeichnete als tapferen Schritt, als damals Katalin Szili sich im Parlament für die Verschleppung der Ungarndeutschen entschuldigte, was sie hochschätzt.  Die aus Ungarn vertriebenen Deutsche sind wichtige Bestandteile der bayerischen Gesellschaft, und sind stolz auf die mehrhunderjährige ungarisch-bayerische Freundschaft. Sie dankte Frau Ibolya Hock-Englender für ihre Brücken bauende Arbeit, und bedankte sich bei der ungarischen Regierung dafür, dass der Donaustaat mit einer beispielhaften Minderheitenpolitik die Kultur und Bildung der deutschen Minderheit fördert.  Ungarn eröffnete 1989 als erstes seine Grenzen für die deutschen Flüchtlinge. Auch jetzt hat man vielen Herausforderungen im Interesse der Bewahrung der europäischen Einheit zu begegnen, deswegen braucht man einander.

Ibolya Hock-Englender, Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sprach unter anderen darüber, dass die deutsche Identität auch in den neuen, heranwachsenden Generationen gestärkt werden soll, und die Beziehung zwischen den Ungarndeutschen und den nach Deutschland Vertriebenen weiterentwickelt werden soll – das benannte sie als wichtigste Berufung ihrer Präsidentschaft.   Sie dankte der ungarischen und der bayerischen Regierung für die Unterstützung der Landesselbstverwaltung.

Der Historiker und Germanist Viktor Pócsik hielt einen Vortrag über einige herausragende ungarische Persönlichkeiten mit deutschen Wurzeln, auf die für Ihr Werk beide Völker stolz sein können, so z.B. Imre Steindl, Ödön Lechner, Ferenc Erkel, Franz Liszt, Mihály Munkácsy, Ferenc Herczeg, Antal Horger und Zsigmond Kisfaludy-Stróbl.